Lindas Lipglosse
Apr 2008

April 08

lidl_linda
...is watching you, meine lieben Leserinnen und Leser.

Ich verstehe die Menschen nicht mehr. In jede Talk-Show strömen sie, in jeder Reality-Soap machen sie sich nackter, als Gott sie schuf und auch in jeder noch so bescheuerten Casting-Show haben sie nicht das Geringste dagegen, wenn ihnen vor zig Kameras auf den Zahn gefühlt wird. Nur wenn es um kleine, versteckte Bildaufnahmegeräte geht, die dazu noch sehr schlechtauflösend sind, laufen sie Amok. Wären die Kameras als solche ersichtlich, so würde es doch keinen Spaß mehr machen, unbescholtene Bürgerinnen und Bürger zu filmen. Sicher würden diese dann nicht mehr in der Nase bohren, Lippenstift von den Zähnen kratzen oder zufällig ein Glas Marmelade in ihrer Manteltasche verschwinden lassen. Und eine Frau Meyer aus der Lahnstraße würde überlegen, ob sie sich nun vor oder nach dem Einkauf frisiert. Schließlich sind wir alle ein eitles Volk (unabhängig davon, dass wir sowieso schon Deutschland, Papst, Knut, Flocke und Berlin sind...).
Ich jedenfalls sehe in diesen kleinen Apparaten eher einen Ansporn, sich nicht so gehen zu lassen. Weiterhin werde ich gut frisiert, mit frisch manikürten Fingernägeln (falls man mich bei der Eingabe meiner PIN-Nummer filmt) und mattem Teint durch die Geschäfte flanieren und mich an den Menschen erfreuen, die es mir nachmachen.

Ein weitaus größeres Problem sehe ich in der Streikeslust der Berliner Verkehrsbetriebe. Nicht, dass ich persönlich davon betroffen wäre - nein - ich besitze einen Fuhrpark, bei dem selbst ein Kashoggi blass wird. Viel mehr mache ich mir Gedanken um meine Reinigungskraft Emily, die neulich außer Atem an der Tür klingelte. Dadurch, dass sie in einem Bezirk von Berlin lebt, der nicht an das S-Bahn-Netz angeschlossen ist, war sie dazu verdammt, den Weg nach Kreuzberg zu Fuß zurückzulegen - auch der kurzfristig eingeführte Notverkehr mit Omnibussen war für sie keine wirkliche Alternative.
Da Emily eigentlich eine sportliche Figur hat, fragte ich sie, ob sie denn nicht froh sei, ein wenig Sport nebenher treiben zu können. Sie antwortete mir, dass sie lange Wege und lange Rad-Touren meide, wie der Teufel das Weihwasser. Bedingt durch die viele Bewegung hätte sie - nach ihrer Ansicht - in kürzester Zeit Wanderwaden. Und mit diesen wären die Zeiten der Miniröcke und Röhrenjeans passé. Diese Argumente (überraschend in ihrer Simplizität) musste ich mir erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Nach ein paar Sekunden hatte Emily (deren IQ knapp über dem von getrockneten Urzeit-Krebsen aus den Yps-Heftchen liegt) mich aber überzeugt und wir sind nach einer geheimen Urabstimmung zu dem Ergebnis gelangt, dass sie bei Streik streiken darf...

In eigener Sache:

danke

Mit euren Geschenken habt ihr mir, als eingefleischter Macianerin (Ruggi, hör' sofort auf zu lachen!!!), eine riesengroße Freude bereitet. Hier ein paar Schnappschüsse meiner Geschenke:

zapfmacblumenmac
flaschenmacishoes

In diesem Sinne, eure
Linda von Tennstaedt