Dezember 07
15.12.2007 10:27

Ich heiße Linda Lindemann und mit meinem Lottogewinn von 43 Mio. kaufe ich mir eine Travestie-Boutique in Berlin.
"Wenn ich einmal reich wär’, dideldideldumm...“ trällere ich leise vor mich hin. Leider hat mich das Glück beim Lotto-Spielen nicht geküsst und ich muss weiterhin bei Humana einkaufen gehen. Wenn ich es mir aber recht überlege, bin ich auch froh darüber, dass ich meinen alten Freundeskreis behalten kann und nicht plötzlich tausend neue schmarotzende Freunde im meinem Umfeld ertragen muss. Gefreut hätte ich mich trotzdem ein Stück weit, wenn es nämlich - wie jedes Jahr - um die Besorgung von Weihnachtsgeschenken geht. Schließlich erwartet man von mir als urbane Glossographin, dass ich das nötige Kleingeld für einfallsreiche Präsente habe. Weil ich dieses Jahr mein Weihnachtsgeld schon für mein neues iPhone und den neuesten iMac „verplempert“ habe, heißt es nun, mir geschickte Billig-Geschenk-Strategien zu überlegen. Viel Schein, wenig Sein...
Da ich vor den hohen Feiertagen alle Konsumtempel hasse, wie die Transe das Tageslicht, beschränken sich meine Einkäufe auf die vielen 99-Cent-Läden der Problembezirke Berlins. Eine völlig hässliche Porzellan-Vase mutiert mit Hilfe eines wasserfesten Filzstiftes und einer ruhigen Hand schnell zu einer Ming-Vase aus der Zeit um 1600. Aus einer bunten Glas-Schale zaubert man ruckzuck eine echte Murano-Glas-Kostbarkeit, indem man das alte Preisschild gegen einen Neues (unleserlich gemachtes) austauscht und fest behauptet, man könne darauf das Wort Murano entziffern.
Viele meiner besserverdienenden Freundinnen aus der schreibenden Zunft reisen in ihrem als Bildungsreise deklarierten Urlaub gerne in das Dorf im Pflaumenhain (Bangkok). Gerne tun sie mir den Gefallen, mir von dort die allerneuesten Handtaschen-Kreationen mitzubringen.
Ebenfalls immer wieder gerne gesehen sind Gutscheine. Wer erwartet denn, wenn er einen Gutschein über ein 3-Gänge-Menü bekommt, dass ich diesen in einem 5-Sterne-Fresstempel einlöse?! Ein privates Essen mit Dosen-Süppchen, Pizza und Eis aus der Truhe ist doch viel persönlicher und kann unter Umständen auch schmecken...
Wer indessen einen Gutschein über ein Privatkonzert mit Amy Winehouse bekommt, darf sich glücklich schätzen und sich im Anschluss nicht beschweren, wenn er bei mir auf dem Sofa sitzt, sich meinen mit Hingabe angelegten Amy-Gedenk-Lidstrich anschauen und den aktuell (illegal) heruntergeladenen Songs der Diva lauschen darf.
Na ja, Geiz ist nicht immer geil, aber diese unsägliche Zeit am Ende des Jahres ist es ja auch nicht, wie an folgendem Beispiel zu erkennen ist:
Sonntag, 1.Advent
10.00 Uhr
In der Reihenhaussiedlung Onkelstieg lässt sich die Rentnerin Erna B. durch ihren Enkel Norbert 3 Elektrokerzen auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers installieren. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus, die Freude ist groß.
10 Uhr 14
Beim entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die provokante Weihnachts-Offensive im Nebenhaus und kontert umgehend mit der Aufstellung des 10-armigen dänischen Kerzensets zu je 15 Watt im Küchenfenster. Stunden später erstrahlt die gesamte Siedlung Onkelstieg im besinnlichen Glanz von 134 Fensterdekorationen.
19 Uhr 03
Im 14 km entfernten Kohlekraftwerk Sottrup-Hocklage registriert der wachhabende Ingenieur irrtümlich einen Defekt der Strommessgeräte für den Bereich Stenkelfeld-Nord, ist aber zunächst arglos.
20 Uhr 17
Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt der Anschluss einer Kettenschaltung von 96 Halogen-Filmleuchten - durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens - an das Drehstromnetz. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau.
20 Uhr 56
Der Diskothekenbesitzer Alfons K. sieht sich genötigt, seinerseits einen Teil zur vorweihnachtlichen Stimmung beizutragen und montiert auf dem Flachdach seines Bungalows das Laserensemble Metropolis, das zu den leistungsstärksten
Europas zählt. Die 40 Meter Fassade eines angrenzenden Getreidesilos hält dem Dauerfeuer der Nikolausprojektion mehrere Minuten stand, bevor sie mit einem hässlichen Geräusch zerbröckelt.
21 Uhr 30
Im Trubel einer Club-Feier im Kohlekraftwerk Sottrup-Hocklage verhallt das Alarmsignal aus der Generatorhalle
21 Uhr 50
Der 85-Jährige Kriegsveteran August R. zaubert mit 190 Flakscheinwerfern des Typs Varta Volkssturm den Stern von Bethlehem an die tiefhängende Wolkendecke.
22 Uhr 12
Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck und sommerlicher Kleidung irrt verängstigt durch die Siedlung Onkelstieg. Zuvor war eine Boing 747 der Singapur Airlines mit dem Ziel Sydney versehentlich in der mit 3000 bunten Neonröhren gepflasterten Garagenzufahrt der Bäckerei Brohrmeyer gelandet.
22 Uhr 37
Die NASA Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstrasse Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel, die Experten in Houston sind ratlos.
22 Uhr 50
Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kohlekraftwerks Sottrup-Hocklage. Der gesamte Komplex mit seinen 30 Turbinen läuft mit 350 Megawatt brüllend jenseits der Belastungsgrenze.
23 Uhr 06
In der taghell erleuchteten Siedlung Onkelstieg erwacht Studentin Bettina U. und freut sich irrtümlich über den sonnigen Dezembermorgen. Um genau 23 Uhr 12 betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine.
23 Uhr 12 und 14 Sekunden
In die plötzliche Dunkelheit des gesamten Landkreises Stenkelfeld bricht die Explosion des Kohlekraftwerks Sottrup-Hocklage wie Donnerhall. Durch den stockfinsteren Ort stapfen irre, verwirrte Menschen, Menschen wie du und ich, denen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern meiner Glosse, allen Gästen der BarbieBar und allen Freunden und Feinden eine beschauliche Weihnacht und einen noch beschaulicheren Rutsch ins neue Jahr.
Eure Linda von Tennstaedt
Vorankündigung:
Wenn Anfang nächsten Jahres wieder ein Superstar gesucht wird, das nächste tolle Top-Model einen Exklusiv-Vertrag bei KIK erhält und „Stars“ wie Gina Gaffrath und Julia Mannbinichbiedermann hoffentlich im Dschungel vergessen werden, befinde ich mich in Grasse, um die Essenzen für meinen eigenen Duft zu besorgen. Hier könnt ihr schon einmal den Ersatz-Flakon mit Ersatz-Flüssigkeit bewundern:

Lindas tolle Tippps:
Öffnungszeiten zwischen den Jahren:
24.12. - Heiligabend: ab 21 Uhr geöffnet
Ich lese die Weihnachtsgeschichte – meine Eigene!
Lasst euch überraschen... Für weihnachtliche Stimmung ist gesorgt (früher war mehr Lametta).
25.12. - 1. Weihnachtsfeiertag: ab 14 Uhr geöffnet
Leckere Torten, Kuchen erwarten euch und euren vielleicht buckligen Weihnachtsbesuch.
26.12. - 2. Weihnachtsfeiertag: geschlossen
31.12. - Silvester: ab 22 Uhr geöffnet
Wer nicht gerne am Brandenburger Tor mit den Lippen am Sektglas anfriert, kann es sich ja mit seinen Liebsten in der BarbieBar gemütlich machen. Erlebt einen netten, beschaulichen Jahresausklang mit allem, was an diesem Tag dazugehört: Blei-Gießen, Luftschlangen und Tischfeuerwerk.
Ab ca. 1.00 Uhr erwartet euch dann eine stimmungsbrodelnde Bar mit allem Halli, Galli, Ramba und Zamba – und natürlich einer RAUCHENDEN Linda von Tennstaedt.
- Neujahr: geschlossen
02.01. - Mittwoch: geschlossen
