Lindas Lipglosse
Jan 2008

Januar 08

bulle1
Dududu meine lieben Nichtraucherinnen, Raucherinnen, Nichtraucher und Raucher.

Ich wünsche frohe Weihnachten und einen guten Rutsch gehabt zu haben.
Einigen von euch wird es ja aufgefallen sein, dass ich meine geplante Weihnachts-Lesung nicht halten konnte. Widrige Umstände haben mich leider an mein Bett gefesselt. Wahrscheinlich hat die Vorfreude (Vorsicht Ironie!) auf das Nichtraucher-Schutzgesetz mein Immunsystem dermaßen geschwächt, dass ich mir eine doppelseitige Lymphangioleiomyomatose eingefangen habe. Appetitlosigkeit und strikte Bettruhe ließen bei mir absolut keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Meine 12 kg Schwarz-Weiß-Gebäck, die ich in wochenlangen Backsessionen fabriziert hatte, ließ ich von der Tafel abholen und meine Weihnachtsgans schlummert immer noch in meiner Kühltruhe. Ich werde sie wohl an Ostern als Ostergans auferstehen lassen. Das Schlimme an Krankheiten ist, dass man unendlich viel Zeit hat, die sich nur begrenzt durch Lesen, Fernsehen oder Schlafen totschlagen lässt. Den Rest dieser Zeit wird man zum Nachdenken gezwungen. Zum richtigen Nachdenken - also nicht darüber, wann die nächste Party ist oder was man zu dieser Gelegenheit anzieht. Und ich sage euch, das ist schlimm!!!
Angestachelt von Jahresrückblicken und Vorschauen auf das kommende Jahr mit all seinen Neuerungen wurde ich kränker, als ich überhaupt war. Das ganze Elend dieser Stadt - nein, der ganzen Welt - ergoss sich über mich und zeitweise dachte ich sogar, ich würde 2008 nicht mehr erleben.
Über den Klimawandel, die Globalisierung, zuviel Milch trinkende Chinesen, steigende Energiepreise, Intensiv-Straftäter bis hin zur Abschaffung des Fernmeldegeheimnisses - all diese Nachrichten prasselten auf mein ohnehin lahm gelegtes Denkorgan ein. Auch die Überlegung, wie ein Discounter denn den Strom, den er anbietet, in die Tüte bekommt und ob dieser geschnitten oder am Stück zu erwerben ist, ließ in mir keine Freude aufkommen.
Die Tatsache, dass mir nach ein paar Tagen meine Zigaretten wieder schmeckten, machte diesen Zustand erst recht nicht erträglicher. Nein, im Gegenteil. Mir wurde bewusst, welch harte Zeit auf mich zukommen würde. Kein Mensch, der nicht wie ich 4 Big-Packs Zigaretten am Tag immer und überall GERNE raucht, kann es nachvollziehen, wie viel Lebensqualität mir durch das Rauchverbot abhanden kommt.
Ich habe das Thema Rauchen mit vielen Bekannten schon ad nauseam diskutiert, jedoch sind wir nicht wirklich auf eine Lösung gekommen.
Eines ist sicher: Ich werde NICHT auf der Straße rauchen, um mich dann - ob meines andersartigen Aussehens - anpöbeln zu lassen oder mir meine teuren Zweithaarfrisuren bei regen ruinieren oder an einem Heizpilz verkokeln zu lassen. Desgleichen sehe ich es NICHT ein, mich in einen dunklen Raum fernab des Tresens (der nun mal der schönste Platz im Lokal ist) pferchen zu lassen, um mir später von einem Raucher-Jäger sagen zu lassen, dass meine Kleidung nach Rauch stinkt.
Auch wenn der Ausgang der Unterschriftenaktion (Unterlagen am Tresen erhältlich) für ein Volksbegehren noch in den Sternen steht, bleibt für mich nur noch die Hoffnung, dass es einem Gastronom ab Juli selber überlassen wird, ob er mit Rauchern, Dicken, Dünnen, Dummen, Kleinen, Großen oder Nichtrauchern sein Geschäft macht - und diese Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Während sich zur Zeit auf allen Sendern Z-Promis (wohl eher ein Sammelsurium aus skurrilen alten Herrschaften, Playboy-Photoshop-Schönheiten und einfältigen Ex-Irgendwassen) entweder die Knochen brechen, oder in Australien im "Camp der letzten Hoffnung" nur reden, damit sich die Luft bewegt, sitze ich (rauchend) über meinen Plänen für den 16. Februar, an dem - wie jedes Jahr - ein weiterer "Miss-Highest-Hair-Contest" stattfindet. Nur dass es sich bei den Plänen nicht um die statische Berechnung von Hochfrisuren handelt, sondern um Einladung, Gästeliste, Speiseplan und viele andere Erledigungen, die ich noch tätigen muss.
Der Grund dafür, dass ich dieses Jahr etwas in den Hintergrund trete und dem "Nachwuchs" das Vorrecht überlasse, ist ganz einfach:
ICH WERDE ALT! In Zahlen: VIERZIG. Grund genug, im Anschluss an die Wahl dieses Jubiläum gebührend zu feiern (ich habe ohnehin erst am 17. Geburtstag). Und ist es mir nach fünfzehn Jahren nicht erlaubt, einmal nicht darauf achten zu müssen, ob die Frisur noch gerade ist, oder ob ich gerade im Kronleuchter festhänge?! Ich glaube schon! Außerdem schmeichelt eine freche Kurzhaarfrisur dem Alter und ich kann vielleicht noch als 39-Jährige durchgehen...
Von Beileidsmitteilungen bitte ich Abstand zu nehmen. Ebenso möchte ich euch bitten, mir eventuelle Geschenke nicht zu schenken, sondern den Geldwert in die dafür vorgesehene Sparstrumpfhose am Tresen zu werfen.
In meinem Alter brauche ich nämlich UNBEDINGT ein Kleid von Dior - und das ist nicht billig! Zumal es ob der Maße extra angefertigt werden muss.
Bei etwaigen Blumen-Aufmerksamkeiten bitte ich meine Allergien zu berücksichtigen und die Ausgabe in Plastik vorzuziehen.
Show-Darbietungen sind natürlich gerne gesehen und ausdrücklich erwünscht!
Ich zähle auf euch.

Eure Intensiv-Raucherin
Linda von Tennstaedt