Lindas Lipglosse
Jun 2008

Juni 08

muh
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Redakteurinnen und Redakteure.

Was die Ausweitung meiner Begrüßung angeht, möchte ich es halten wie Hegel: "Die Genießerin schreit und gießt (sich einen Vodka in den Hals)".

Ich könnte mir immer noch in meinen mit Silikon aufgepolsterten Allerwertesten beißen. Während ich beim diesjährigen Eurovison Song Contest in Serbien im Backstage-Bereich für die Bewirtung der Teilnehmer engagiert war, feierte meine liebste Polit-Talkerin Anne W. aus B. in der BarbieBar ausgelassen bis spät in die Nacht die Niederlage unserer Engel.
Zu dem Job in Belgrad bin ich gekommen, da ich für eine Woche an einem osteuropäischen Schülerinnen-Austausch teilgenommen habe und meine Gast-Schwester die Nichte von Jelena Tomasevic (der serbischen Teilnehmerin) ist. Meine Gast-Familie hatte Angst, mich in ihrem Kuhstall arbeiten zu lassen, da die Gefahr bestand, dass ich mich und viel schlimmer noch ihre Kühe verletzen könnte. Also haben sie mich schrille Person lieber in das Catering-Unternehmen, das übrigens dem Bruder von Jelena Tomasevic gehört, eingeschleust.
Und was ich hier erleben durfte, macht alles Verpasste in Berlin und in der BarbieBar wieder wett.
Die Stimmung der Künstler untereinander war unterirdisch, um nicht zu sagen gereizt, kühl und manchmal sogar aggressiv. Jedes Land war durch einen vorher ausgeklügelten Knebelvertrag dazu verpflichtet, dass es interne Widrigkeiten NICHT nach außen trägt. Das heißt, wann immer eine Kamera im Backstage-Bereich auftauchte, waren sie sozusagen gezwungen, mit ihren lächerlichen Papierfähnchen zu wedeln und gute Mine zum abgekaterten Spiel zu machen. Aufgrund der neuesten technischen Ausstattung hatte der Zuschauer zuhause vor dem Gerät das Gefühl, ALLE Teilnehmer säßen in einem EINZIGEN Raum - Pustekuchen!!! Die einzelnen Länder saßen in - durch lange Gänge voneinander getrennten - abgeschlossenen Zimmern und wurden von zahlreichen Bodyguards und Helferleins auf die Bühne und wieder zurück gebracht.
Da ich (ausgestattet mit einem Backstage-Pass) für die Verteilung des Alkohols zuständig war, der an diesem Abend reichlicher floss als auf dem Oktoberfest, war ich den Künstlern näher als ihre auf den Körper genähten Trick-Kleider. (Ausgenommen der russische Bereich, der aufgrund der unheimlich wertvollen Stradivari hermetisch abgeriegelt war.) Zusätzlich zum Alkohl befand sich in meiner Bar auf Rollen eine riesige Flasche Sophtal-POS. Diese Augentropfen sind eine wirksame Prophylaxe gegen Bindehautentzündung und wurden ob des inflationären Einsatzes von Windmaschinen auch von jedem Land gerne genommen - außer von Georgien. Dafür füllte sich Lucy von unserer Schleiertanz-Combo einen kleinen Zerstäuber extra ab...
Übrigens habe ich mich mit den Popstar-Mädels am besten verstanden. Sie waren meine besten Kundinnen und hatten auch untereinander viel Spaß an der gesamten Veranstaltung. Unabhängig davon muss ich wirklich sagen, dass der letzte Platz für diesen schlechten, dahingeschrieenen Auftritt völlig berechtigt war - auch hinter der Bühne klang dieser Beitrag leicht neben der Note.
Weniger harmonisch dagegen ging es in einigen anderen Länder-Kabinen zu. Während die Aserbaidschaner auf der Bühne noch eine stimmgewaltige Darbietung gaben, so lieferten sie sich im Show-Room eine stimmgewaltige Auseinandersetzung, von der ich leider kein einziges Wort verstand und ich diese deshalb auch nicht schlichten konnte. Ich stellte eine Flasche Vodka auf den Tisch und verließ den Raum.
Bei vielen Sängerinnen, die besonders schwach auf ihrer tonalen Brust waren musste ich sogar als Masken- und Kostümbildnerin einspringen, da sich mein ungemein modischer Stil schnell herumsprach. Ich versuchte mit effektvollen Gesichts-Gemälden und stilvollen Roben-Raffungen vom dünnen Stimmchen abzulenken. Bei einigen Sängerinnen hatte ich mit meinen breiten Gürteln (auch kurzer Rock genannt) sogar Erfolg, bei anderen versagte ich komplett. Der Schwedin verpasste ich wohl etwas zuviel Make Up, so dass sie einem Alien ähnelte und zugegeben - einem polnischen Brathähnchen kann auch ich mit einer Christina-Aguilera-Gedächtnis-Frisur nicht zum Sieg verhelfen...
"Nach dem Grand Prix ist vor dem Grand Prix"
Da in meinen Augen der Grand Prix zum Dschungelcamp der Popmusik geworden ist, sehe ich für das nächste Jahr nur eine Lösung, die uns vielleicht wieder ins Mittelfeld rücken lässt:
Europa bekommt von uns was wirklich Schräges auf die Ohren. Als Sängerin könnte ich mir Johanna (das ist die, die die Haare schön hat...) vorstellen. Mit Bata Illic (gut für internationale Sympathien) im Schlepptau wäre dieses Duo dann komplett. Als besonderes Highlight setzen wir Boris Becker an ein 800 Jahre altes Cembalo und lassen diesen, von Herrn Heesters mit einer Trommel (die ich dieses Jahr wirklich vermisst habe!) begleitet, eine beliebige Fußball-Hymne spielen.
Zusätzlich verlegen wir den Grand Prix auf die Sommerferien-Zeit. Damit wären uns 12 Punkte aus Spanien, Frankreich, Italien, einigen östlichen Adria-Ländern und der Türkei sicher...

In diesem Sinne - seid wachsam und haltet die Ohren gespitzt.
Eure
Linda von Tennstaedt


Apropos Italien...
Für Alle, die beim lesbischwulen Straßenfest und CSD partymäßig noch nicht auf ihre Kosten gekommen sind, lege ich euch ganz eigensinnig eine wundervolle Party in der BarbieBar ans Herz.

GucciLounge_Logo
GucciLounge Deluxe - 26. Juli 2008 - ab 21.00 Uhr

Der kleine Italiener Ruggero Andrea Lorenzo Paolo Francesco Federico Allessandro Alessio hat es wieder möglich gemacht und zaubert am 26. einen Italienischen Abend der Sonderklasse in die Räume der BarbieBar.
Die "GucciLounge Deluxe" bietet alles, was euch von der GucciLounge bisher vertraut war. Italienische Musik der 50er bis Heute, hausgemachte Tramezzini und andere kulinarische Köstlichkeiten.
Darüber hinaus werden extra aus Venedig eingeflogene Travestie-Künstlerinnen (darunter meine Zwillingsschwester Giusy di Tennstaedt, Vero Titanico und die Gemelle Reinhardt) die Bühne rocken und den Saal zum Kochen bringen. Und nicht vergessen: Sämtliche italienische Getränke sind im Preis reduziert!
Arrivederci!!!